#01 Nationaler Stresstest für DFB-Elf

Shownotes

Die gesellschaftliche Debatte über die Zusammensetzung der deutschen Nationalmannschaft ist vor dem Start der WM in Amerika erneut aufgepoppt. Inwieweit soll die DFB-Elf auch ein Spiegelbild der nationalen Identität sein? Während Trainer und Spieler die Frage bereits als diskriminierend kritisieren, und das Team als Repräsentanten einer modernen Einwanderungsgesellschaft verteidigen, fordern Teile der Bevölkerung sowie rechte Politiker eine ethnische Homogenität.
Der Sportsoziologe Gunter Gebauer ordnet diesen Konflikt wissenschaftlich ein und verdeutlicht, dass die DFB-Elf als Projektionsfläche für gegensätzliche Vorstellungen von Zugehörigkeit dient. Historische Vergleiche zeigen dabei auf, dass die Spannung zwischen internationalem Sportgeist und völkischem Denken kein neues Phänomen ist. Letztlich geht es in der Diskussion weniger um Fußball als um die grundlegende Frage, wie sich Deutschland als Nation im Wandel selbst definiert.

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00:00:06: Weißte, wenn man normalerweise so auf ein Fußballfeld schaut dann gibt es da diese unmissverständliche Klarheit.

00:00:12: Ja

00:00:13: absolut!

00:00:13: Da ist der Grüne Rasen, da sind die weißen Kreidelinien.

00:00:17: Die Regeln sind absolut binäher.

00:00:19: also Tor oder kein Tor, Faul oder Ball gespielt...

00:00:22: Genau es ist halt ein Raum der nach ganz einfachem für alle sichtbaren Gesetzen funktioniert.

00:00:27: Ein in sich geschlossenes System.

00:00:28: Richtig!

00:00:29: Wir lieben diese Übersichtlichkeit beim Sport ja auch weil sie uns mehr so eine Auszeit von der Komplexität des Alltags bietet.

00:00:36: Eine Stoppuhr und ein Maßband diskutieren halt nicht

00:00:39: Stimmt, aber dann verlässt du diese rein sportliche abgegrenzte Ebene und schaust dir die deutsche Fußball-Nationalmannschaft der Gegenwart an.

00:00:47: Und plötzlich schwups verwischen diese klaren weißen Linien komplett!

00:00:52: Oh ja... Ja wenn Du als Hörer in letzter Zeit die Nachrichten verfolgt hast, hast Du es sicher bemerkt?

00:00:58: Wir blicken auf eine Mannschaft, die im Zentrum einer massiven gesellschaftlichen Debatte steht.

00:01:03: Da ist auf einmal nichts mehr binäher oder unkompliziert.

00:01:07: Überhaupt nicht.

00:01:08: nein

00:01:08: Die Mannschaft ist zu einem extremen Stresstest für die deutsche Gesellschaft geworden.

00:01:13: Das kann man so sagen?

00:01:15: Das Spielfeld hat sich in einen gesellschaftlichen Druckkochtopf verwandelt, jeder noch so kleine Ausschlag auf dem Platz oder auch jede Pressekonferenz löst sofort ein politisches Zwischen aus!

00:01:26: Ja

00:01:26: das Ventil steht permanent unter Druck.

00:01:28: Genau

00:01:29: Und genau da wollen wir heute mit dir rein.

00:01:31: Willkommen zu dieser neuen tiefgehenden Analyse!

00:01:35: Wir stürzen uns heute in einen riesigen Stapel an Quellen.

00:01:39: Einen wirklich sehr großen Staple.

00:01:41: Richtig groß Also, wir haben Artikel, Kommentare und Reportagen vom WDR, dem Tagesspiegel, dem Spiegel, den Deutschlandfunk der Welt von ZDF heute.

00:01:53: Und auch der TATS vorliegen!

00:01:55: Und dazu packen wir noch fundierte sportsoziologische Analysen unter anderem aus der Bundeszentrale für politische Bildung.

00:02:01: Genau – unsere Mission heute.

00:02:04: Wir wollen entschlüsseln, wie und warum die ethnische Zusammensetzung der DFB Elf zu einem hochgradig politisierten Spiegelbild für gesellschaftliche Transformationsprozesse beworden ist.

00:02:16: Wen repräsentiert diese Mannschaft eigentlich noch?

00:02:18: Bevor wir uns da jetzt in die Details stürzen – noch ein kurzer Hinweis vorab an dich!

00:02:22: Unsere Quellen enthalten naturgemäß extrem stark aufgeladene politische Inhalte.

00:02:27: Ja das lässt sich bei dem Thema nicht vermeiden.

00:02:29: Genau Wir werden hier Zitate aus ganz verschiedenen politischen Lagern behandeln, insbesondere auch sehr scharfe Aussagen von Vertretern der AfD einfach um die Debatte realitätsgetreu abzubilden.

00:02:41: Wichtig ist dabei wie immer sind wir nur die Überbringer der Nachricht und wir ergreifen keine Seite.

00:02:47: Wir werten die politischen Standpunkte nicht!

00:02:50: Absolut – wir packen einfach die Daten, zahlen und Argumente aus exakt so wie sie in den Berichten dokumentiert sind und ordnern die Mechanismen dahinter ein.

00:03:00: Das ist unser Kompass für heute.

00:03:02: Wir reden hier scheinbar über Fußball, aber eigentlich geht es um das Selbstverständnis einer ganzen Nation.

00:03:10: Lass uns mal beim Auslöser der aktuellsten Debatte ansetzen!

00:03:14: Wir gehen zurück in den April, und der Kontext dieser Umfrage ist halt essentiell.

00:03:29: Die Idee dazu entstand nicht irgendwie im luftleeren Raum einer Redaktionskonferenz.

00:03:34: Der Impuls war eine sehr konkrete persönliche Erfahrung.

00:03:37: Der WDR-Reporter Philipp Avonot war in Blankenheim unterwegs, also dem Quartier des DFB Trainingslagers um eine Reportage zu drehen.

00:03:45: Und Avonots ist ein dunkelhäutiger Journalist.

00:03:48: Während der Dreharbeiten wurde er von einem Passanten auf der Straße völlig unvermittelt und direkt ins Gesicht damit konfrontiert dass ich zitiere das hier aus den Quellen ein richtiger deutscher hellhäuter sein müsse.

00:04:00: Wenn du so was als Journalist erlebst, stehst du natürlich vor einer professionellen Entscheidung.

00:04:05: Der WDA musste sich fragen – ist das jetzt nur die anekdotische Einzelmeinung eines verwirrten Passanten oder blicken wir hier auf die Spitze eines Eisbergs?

00:04:18: Strukturelles Resontimon, das tief in der Gesellschaft verankert ist.

00:04:22: Ja und deshalb entschied sich der Sender dieses Thema empirisch zu überprüfen.

00:04:26: Sie wollten wissen was wirklich in den Köpfen der Menschen vorgeht.

00:04:30: So kam es dann zur Datenerhebung Und die Ergebnisse die in all unseren Quellen quer durch die Medienlandschaft zitiert und analysiert werden zeichnen ein extrem ambivalentes Bild.

00:04:40: Ich habe die Zahlen hier vor mir.

00:04:42: Auf der einen Seite gibt es eine sehr deutliche Mehrheit.

00:04:46: Sechsundsechzig Prozent der Befragten finden es gut, dass in der deutschen Mannschaft mittlerweile viele Fußballer spielen, die ein Migrationshintergrund haben.

00:04:53: Ist

00:04:54: er erst mal ein starkes messbares Zeichen für Vielfalt?

00:04:57: Auf jeden Fall!

00:04:58: Aber dann kommt die Zahl, die die eigentliche Schockwelle ausgelöst hat.

00:05:02: Einundzwanzig Prozent Also mehr als jeder Fünfte in dieser repräsentativen Umfrage geben an, dass sie es besser finden wenn wieder mehr weiße Spieler in der deutschen Nationalmannschaft spielen würden.

00:05:15: Wenn man diese einundzwanzig Prozent dann demografisch und politisch aufschlüsselt – Der Weltartikel macht das sehr detailliert sehen wir klare Fraktionen!

00:05:23: Okay wie verteilen die sich?

00:05:25: Unter den Anhängern der AfD wünschen sich forty-seven Prozent eine weißere Nationalelf.

00:05:31: Bei den Anhängern des Bündnisses Sarah Wagenknecht, dem BSV sind es thirty-eight Prozent.

00:05:37: Das ist heftig!

00:05:38: Liegt der Wert bei achtzehn Prozent?

00:05:40: Bei der SPD bei vierzehnt Prozent und bei den Grünen bei fünf Prozent?

00:05:45: Wenn du das als Hörer jetzt hörst, denkst du vielleicht erst einmal, warum fragt man das

00:05:50: überhaupt?!

00:05:51: Ja, das war auch ein großer Vorwurf...

00:05:53: Genau, also provoziert man mit solchen extrem aufgeladenen Fragen kurz vor einem großen harmonischen Sommer-Turnier nicht erst recht die Spaltung, die man eigentlich nur aufzeigen will?

00:06:03: Gibt man diesen Ressentiments nicht erst eine Bühne?

00:06:06: Dieser

00:06:07: Vorruf stand sofort massiv im Raum.

00:06:09: Um das aufzulösen lohnt sich ein Blick auf die Analyse des Sozialwissenschaftlers Lorenz Naku Lying.

00:06:15: Der Deutschlandfunk greift es in seinem Kommentar auf.

00:06:18: Was sagt Lying dazu?

00:06:20: Lying dreht das Argument im Grunde um – er sagt Der gesellschaftliche Reflex, Rassismus einfach unsichtbar machen zu wollen.

00:06:27: Besonders wenn man sich gerade auf ein unbeschwertes Fußball fest freut ist psychologisch total nachvollziehbar.

00:06:33: Ja es ist halt unbequem

00:06:35: Genau Aber das Dunkelfeld schrumpft nicht wenn man weg schaut.

00:06:39: Um Rassismus zu überwinden musst du die Mechanismen sichtbarmachen.

00:06:42: Du musst ihn empirisch belegen.

00:06:44: Macht Sinn?

00:06:45: Laing argumentiert dass eine kritische Öffentlichkeit diese Fragen aus einer wissenschaftlichen und demokratischen Perspektive.

00:06:53: Das bringt uns direkt zur Reaktion des DFB.

00:06:56: Wie reagiert der Verband, als der WDR dieses Datenpaket auf den Tisch legt?

00:07:05: Wir haben ja die Zitate aus den Pressekonferenzen im EM-Quartier.

00:07:08: Joshua Kimmich nennt das Umfrageergebnis absolut rassistisch.

00:07:12: Ja!

00:07:18: Die Tatsache, dass diese Umfrage überhaupt in Auftrag gegeben wurde, nannte Kimmich Absurd und Kontraproduktiv.

00:07:25: Bundestrainer Julia Nagelsmann ging sogar noch einen Schritt weiter – auf der Pressekonferenz nannte er die Erhebung eine Entschuldigung für die Wortwahl aber so war das Zitat Scheißumfrage und sprach von Wahnsinn!

00:07:39: Ja, er nutzte ein sehr lebensnahes Bild.

00:07:41: Er verwies auf den Widerspruch das Deutsche völlig selbstverständlich in den Urlaub fahren um fremde Kulturen kennen zu lernen sich dann aber im eigenen Land darüber beschweren wenn eben jene kulturen hier durch Einwanderung präsent sind und das land mitgestalten.

00:07:55: Ich meine ich verstehe das Argument von Kimmich und Nagelsmann dass sie ihre Kabine schützen wollen.

00:08:00: Das Turnier-Motto war ja United by Football.

00:08:03: Natürlich der Schutz des Spieler steht für den Trainer an erster Stelle.

00:08:06: Aber ist diese reflexartige Wut auf den Sendern nicht auch eine bequeme Ausrede?

00:08:11: Der DFB sitzt in einer Zwickmühle, klar.

00:08:14: Aber anstatt sich hinzustellen und zu sagen – wow!

00:08:17: Ein Fünftel des Landes hat ein massives Rassismusproblem.

00:08:20: Da müssen wir als Gesellschaft ran.

00:08:22: Greifen Sie die Journalisten an, die das Problem gemessen

00:08:24: haben.".

00:08:32: Die sportliche Schutzfunktion des Trainers ist das eine, aber die institutionelle Kommunikation des größten Sportverbands der Welt ist das andere.

00:08:40: Richtig!

00:08:40: Indem der DFB den Überbringer der Nachricht attackiert, lenkt er die öffentliche Debatte weg von dem existierenden Rassismus hin zu einer Meta-Diskussion darüber ob Journalisten solche Fragen überhaupt stellen dürfen.

00:08:54: Das is' ne klassische Nebelkerze

00:08:57: Und es ist ja nicht das erste Mal, dass der DFB in so einer Situation kommunikativ völlig entgleist.

00:09:03: Wenn wir in die jüngere Geschichte schauen sehen wir ein klares Muster.

00:09:07: Denk mal an den Fall Mesut Özil, zwei Tausend Achtzehn.

00:09:10: Ohja!

00:09:11: Das war bezeichnend.

00:09:13: Özil macht dieses umstrittene Foto mit dem türkischen Präsidenten Erdogan – ein massives Politikum.

00:09:19: Aber anstatt das Souverän zu moderieren lässt die DFB-Spitze das Thema wochenlang schwehlen.

00:09:25: Und als die WM in Russland dann sportlich ein Desaster wird, wird Özil quasi öffentlich als Sündenbock geopfert.

00:09:31: Genau!

00:09:32: Oder das Drama um die One Love Binde im Katar-Jahr-Jährige-Katara-Järgen in Kata-Jürgen.

00:09:37: Qatar ist ein exzellentes Beispiel für diesen Mechanismus.

00:09:41: Der DFB wollte sich politisch positionieren, knickte dann aber vor der Androhung sportlicher Sanktionen durch die FIFA sofort ein.

00:09:50: Ja dieses Mannschaftsfoto wo sie sich die Hand vor den Mund halten?

00:09:53: Richtig!

00:09:53: Eine Geste, die intern für riesigen Frust sorgte und extern als halbherzig wahrgenommen wurde.

00:10:00: Die Parallele zu heute ist klar.

00:10:02: Der DFB leidet unter einer institutionalisierten politischen Blindheit.

00:10:07: Aus pure Angst vor sportlicher Unruhe wird versucht, gesellschaftliche Realitäten aus der Kabine auszusperren.

00:10:13: Aber diese Blindheit schützt die Spieler ja nicht – das ist doch die große Illusion!

00:10:17: Antonio Rüdiger oder früher Gerald Asamor, die in der WDR-Doku auch intensiv zu Wort kommen, kennen diese rassistische Lebensrealität in und außerhalb der Stadien seit Jahrzehnten?

00:10:28: Absolut.

00:10:29: Ein Joshua Kimmich mag sagen im Fußball, Spiele, Hautfarbe keine Rolle Aber für einen dunkelhäutigen Spieler verschwinden diese einundzwanzig Prozent der Umfrage ja nicht, nur weil der Trainer die Umfrage als Scheißumfrage abtut.

00:10:45: Die Realität auf den Rängen bleibt

00:10:48: bestehen.".

00:10:48: Das ist der Wunderpunkt!

00:10:50: Und weil der DFB hier ein kommunikatives Vakuum hinterlässt und grafhaft versucht, den Fußball zu endpolitisieren – passiert unweigerlich das Gegenteil?

00:10:59: Politische Akteure erkennen dieses Vakium und stoßen genau in diese Lücke.

00:11:03: Sie nutzen die Nationalmannschaft systematisch als Projektionsfläche für den Kulturkampf.

00:11:09: Genau!

00:11:10: Wenn wir uns die Analysen der Welt, der Tatz und des Spiegel ansehen wird deutlich dass das kein neues Phänomen ist.

00:11:16: Es ist eine Strategie, die seit Jahren verfeinert wird.

00:11:19: Das ist genau diesen Prozess mal auftröseln.

00:11:21: wenn du heute die Debatten hörst musst Du eigentlich ins Jahr zwei tausendsechzehnt zurück schauen.

00:11:26: das war sozusagen der Urknall dieser spezifischen Dynamik.

00:11:30: Ja

00:11:30: kurz vor der Europameisterschaft

00:11:32: Genau.

00:11:33: Da führte der damalige stellvertretende AfD-Vorsitzender Alexander Gauland ein Hintergrundgespräch mit zwei Redakteuren der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Eckhardt Lose und Markus Wehner.

00:11:45: Sie sprachen über Jerome Boateng, einen dunkelhäutigen in Berlin geborenen Weltmeister

00:11:51: Der damals eine absolute Säule der Nationalmannschaft war.

00:11:54: Und in diesem Gespräch fiel dieser Satz von Gaulands, der das ganze Land in Aufruhe versetzte.

00:11:59: Er sagte

00:12:01: Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut, aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.

00:12:06: Die Reaktionen damals waren gewaltig!

00:12:09: Der damalige Innenminister de Maizière meldete sich zu Wort – DFB-Präsident Grindel nannte es geschmacklos….

00:12:15: die Fans im Stadion hielten Plakate hoch mit der Aufschrift «Jérôme sei unser Nachbar».

00:12:21: Und Boatang selbst reagierte eigentlich unfassbar souverän und sagte nur ….

00:12:26: Es seid traurig dass so etwas heute noch vorkommt….

00:12:29: Aber das wirklich spannende für unsere Analyse heute ist nicht nur der Satz selbst, sondern die Mechanik dessen was danach passierte.

00:12:36: Der Spiegelartikel zeichnet die Chronologie von Gaulands Reaktion nach Das ist ein absolutes Lehrstück Täter Opferumkehr nennen.

00:12:45: Ich habe die Schritte hier vor mir, es ist fast wie ein Drehbuch!

00:12:48: Phase eins war das Leugnen.

00:12:51: Gauland bestritt zunächst Boateng überhaupt beleidigt zu haben.

00:12:54: Richtig

00:12:55: Er behauptete er habe ja nur die Einstellung anderer Menschen beschrieben quasi als neutraler Beobachter.

00:13:01: Und als das nicht funktionierte kam Phase zwei.

00:13:04: Die Schuldverschiebung auf die Medien Erwarf den Journalisten einen Vertrauensbruch vor.

00:13:10: Er behauptete, dass er ein Hintergrundgespräch gewesen, das nicht zitiert werden durfte.

00:13:15: Wobei die Journalisten Lose und Wena das sofort und sehr detailliert widerlegten.

00:13:20: Ganz genau!

00:13:21: Sie machten öffentlich klar, dass Gauland erst später im Gespräch darum bat, die Stifte niederzulegen für den vertraulichen Teil.

00:13:28: Der Satz über Boatén fiel laut den Reportern davor ganz regulär.

00:13:33: Und das führte Gaulant dann zu Phase drei seiner Strategie Die komplette Ausflucht.

00:13:38: Ja

00:13:39: Er behauptete plötzlich, er kenne sich im Fußball gar nicht aus.

00:13:42: Er wisse gar nicht wer dieser Boateng sei und die Journalisten hätten ihm den Namen quasi in den Mund gelegt.

00:13:49: Eine absurde Vorstellung wenn man bedenkt dass Gauland laut den Journalisten sofort und sehr konkret auf den Namen reagiert hatte.

00:13:56: aber die Strategie funktionierte Provokationssätzen, die maximale mediale Empörung kassieren.

00:14:02: Das sagbare Verschieben – dann zurückrudern und sich am Ende als Opfer der Systemmedien

00:14:07: stilisieren.".

00:14:10: Wenn wir jetzt ins Jahr zwanzig springen zur Europameisterschaft im eigenen Land, dann sehen wir dass dieses Zurück rudern gar nicht mehr stattfindet!

00:14:19: Die Rhetorik hat sich massiv radikalisiert.

00:14:22: Die Berichte von ZDF Heute und der Welt belegen das eindrücklich.

00:14:26: Wir sehen hier einen direkten Frontalangriff auf die Legitimität der Mannschaft.

00:14:30: Björn Höcke, der Thüringer AfD-Chef erklärte in einem Beitrag ganz offen er könne sich seit Jahrzehnten nicht mehr mit dem Team identifizieren.

00:14:39: Und Maximilian Krar, der ehemalige Europawahl Spitzenkandidat der Partei nutzte TikTok für eine noch extremere Zuspitzung.

00:14:47: Ja, er nannte die Nationalmannschaft eine fremden Legion.

00:14:50: Eine Söldner-Truppe und eine Regenbogenmannschaft.

00:14:53: Sein Appell an junge Zuschauer war völlig unverhohlen!

00:14:57: Er sagte man solle sich nicht für diese politisch korrekte Söldener-Trouppe interessieren sondern stolz auf das sein was man selbst ist und nicht auf eine zusammengewürfelte Fußballmannschaft.

00:15:10: Das ist der Punkt, an dem die Nationalmannschaft endgültig zu einer riesigen Leinwand wird.

00:15:14: Wenn du dir das anschaust, wirft jeder seinen eigenen Film darauf ab!

00:15:18: Für die Mehrheitsgesellschaft ist das Team der gelebte Beweis, dass Integration auf höchstem Niveau funktioniert – ein modernes Einwanderungsland, das zusammenarbeitet

00:15:28: Und für rechte Ideologen ist es exakt das Gegenteil.

00:15:31: Eine wurzellose Konstruktion, die man ablehnen muss — was Krau und Höcke hier rhetorisch betreiben, folgt einer sehr klaren Logik.

00:15:38: Worauf zählt das ab?

00:15:39: Es

00:15:40: ist der bewusste Versuch, diesen Spielern mit Migrationsgeschichte ihre deutsche Identität abzusprechen.

00:15:48: Wenn du jemanden als Söldner oder Frennenlegionär bezeichnest sagst du damit – Du bist nicht einer von uns!

00:15:54: Du spielst nur für Geld- oder Ruhm im falschen Trikot.

00:15:57: Krass

00:15:58: Sie verweigern diesen Spieler den Anspruch die Deutsche Nation repräsentieren zu dürfen basierend auf einem rein völkischen Abstammungsprinzip.

00:16:06: Aber diese Fundamentalkritik führt interessanterweise zu einem massiven Riss innerhalb der AfD selbst.

00:16:13: Die Welt hat das sehr detailliert analysiert, die Parteichefin Alles Weidel hat sich von Gras Aussagen deutlich distanziert.

00:16:22: Sie hat dem Team öffentlich zu siegen gratuliert, sie hat explizit betont dass alle Spieler auf dem Rasen selbstverständlich Deutsche seien und sie nannte Jamal Musialer öffentlich als ihren Lieblingsspieler.

00:16:35: Warum dieser krasse Widerspruch innerhalb der Parteispitze?

00:16:38: Weil es macht politisch ein extremer Stresstest für die Partei ist.

00:16:43: Die AfD steckt hier in einem strukturellen Dilemma.

00:16:46: Auf der einen Seite steht die völkisch-dogmatische Ideologie von Leuten wie Höcke.

00:16:51: Diese Ideologie muss eine multietnische Mannschaft aus Prinzip ablehnen, weil sie nicht in ihr biologisches Raster von Nation passt.

00:16:59: Auf der anderen Seite steht ein bürgerlich pragmatischer Populismus den Weidl vertritt.

00:17:03: Sie versteht die emotionale Macht des Fußballs!

00:17:06: Ganz genau, wenn während eines Heimturniers Millionen von Deutschen mit schwarz-rot goldenen Fahnen auf den Straßen feiern, kannst du dich als Partei, die von sich behauptet, den wahren Volkswillen zu vertreten nicht hinstellen und diese Party verteufeln?

00:17:20: Das ergibt Sinn – Du verschreckst genau die bürgerlichen Wähler, die du an der Wahlonne brauchst.

00:17:25: Weidel betreibt also Schadensbegrenzung zwischen Ideologie und populistischem Instinkt.

00:17:30: Exakt.

00:17:31: Um das alles wirklich in seiner ganzen Tiefe greifen zu können, also warum dieser Konflikt ausgerechnet im Fußball mit einer derartigen Wucht explodiert, müssen wir einen Schritt zurücktreten.

00:17:42: Das sollten wir tun!

00:17:43: Wir müssen uns die fundamentale DNA des Sports ansehen.

00:17:46: Unsere Quellen beinhalten dafür eine brillante, sportsoziologische Analyse von Prof.

00:17:51: Dr.

00:17:52: Gunter Gebauer von der Freien Universität Berlin, die unter anderem in Publikationen der BPB diskutiert wird.

00:17:58: Gebauersanalyse ist wirklich der Schlüssel um die gesamte Debatte zu entschlüsseln.

00:18:02: Er argumentiert – diese hitzigen Diskussionen um die DFB-Elf sind im Kern überhaupt keine sportlichen Auseinandersetzungen mehr!

00:18:10: Es sind fundamentale Verhandlungsprozesse über die nationale Identität Deutschlands.

00:18:16: Im Fußball wird die gesamte Nation abstrahiert und auf elf Spieler auf dem Rasen verdichtet, richtig?

00:18:22: Genau!

00:18:23: Und deshalb stellt sich an genau dieser Mannschaft stellvertretend für die ganze Gesellschaft die alles entscheidende Frage – wer gehört zu diesem Land und wer nicht?

00:18:33: Gebauer nutzt dabei das Konzept der Imagine Community der vorgestellten Gemeinschaft.

00:18:39: Lass uns das kurz für dich als Hörer auftröseln.

00:18:42: Gerne!

00:18:43: Wenn ich das richtig verstehe, bedeutet das?

00:18:45: Ich werde in meinem Leben niemals die Achtzig Millionen anderen Menschen in Deutschland persönlich treffen – wir kennen uns nicht.

00:18:52: Aber in dem Bruchteil einer Sekunde, indem ein deutscher Stürmer den Ball in der neunzigsten Minute ins Tor hemmert, springen wir alle gleichzeitig von der Couch auf und fühlen exakt dasselbe.

00:19:03: Der Fußball simuliert also diese Tiefe Unsichtbare Verbundenheit.

00:19:07: Er erschafft die Nation für neunzig Minuten als spürbare Realität, ja?

00:19:13: Exakt so funktioniert der Mechanismus.

00:19:15: und genau hier legt Gebauer den Finger in die Wunde indem er auf einen fundamentalen Widerspruch hinweist.

00:19:22: Welchen?

00:19:23: Der moderne Spitzensport basiert auf völlig anderen Werten als der Ethnonationalismus.

00:19:28: Der Sport basiert auf Leistung und auf der formalen Staatsbürgerschaft.

00:19:34: Jeder, der gut genug kicken kann, der die Regeln respektiert und den deutschen Pass hat, darf für Deutschland

00:19:40: spielen.".

00:19:41: Das ist ausdrücklich kein völkischer Gedanke!

00:19:43: Die Stoppuhr

00:19:44: unterscheidet nicht nach Herkunft?

00:19:46: Genau das ist der Punkt – eine völksche rein biologische Definition von Nation kollidiert unweigerlich mit der Realität des Sports.

00:19:54: Im Sport gewinnt er bessere unabhängig von der Hautfarbe.

00:19:58: Die DFB Elf ist also eine multiethnische Leistungsgesellschaft

00:20:02: und ihre bloße Existenz und ihr Erfolg sind ein empirischer Gegenbeweis für die rechte Ideologie der ethnischen Homogenität.

00:20:11: Gebauer zielt in diesem Zusammenhang ja einer extrem aufschlussreiche historische Paralese, die uns zeigt dass dieser Konflikt nicht neu ist.

00:20:21: er erinnert an die olympischen Spiele.

00:20:22: neunzehntonaldsechsunddreißig in Berlin

00:20:25: Ja, ein sehr wichtiges Beispiel.

00:20:27: Wenn wir heute an nineteenhundertsechsunddreißig denken haben wir sofort Bilder von perfider NS-Propaganda im Kopf.

00:20:34: aber die Geschichte davor ist viel komplexer.

00:20:36: Stimmt!

00:20:37: Die Nationalsozialisten hassten den olympischen Gedankenanfangs abgrundtief... ...die Idee der internationalen Gleichheit, der fairen Anerkennung aller Gegner auf dem Platz.

00:20:48: das war das Gegenteil ihrer rassenideologischen Hierarchie.

00:20:51: Stell dir vor Du propagierst die Überlegenheit der arischen Rasse und dann läuft ein schwarzer Athlet wie Jesse Owens allen davon.

00:21:00: Richtig, das Maßband und die Stoppuhr beweisen völlig objektiv dass die völkische Ideologie eine Lüge ist.

00:21:08: Deshalb lehnten Teile der NS-Führung die Spiele zunächst ab

00:21:11: Aber dann haben sie opportunistisch umgeschwenkt?

00:21:14: Weil Sie erkannten welch gewaltige emotionale Macht dieses Spektakel hat.

00:21:19: Sie haben den Sport trotz ihrer tiefen ideologischen Verachtung für seine egalitären Regeln gekapert, um sich selbst zu inszenieren.

00:21:27: Das ist echt Wahnsinn!

00:21:28: Und Soziologen wie Gebauer erkennen exakt dieses Muster in der heutigen Debatte wieder.

00:21:34: Dieses Schwanken auf der rechten Seite zwischen tiefer ideologischer Ablehnung, der sportlichen Gleichheit auf der einen Seite und dem pragmatischen Versuch die Emotionen der Massen für sich zu nutzen auf den anderen – das ist ein historischer Mechanismus, der sich wiederholt.

00:21:48: Es ist faszinierend und irgendwie auch beängstigend wie viel mehr als nur ein Spiel da auf dem Rasen verhandelt wird.

00:21:54: wenn wir unsere ganze heutige Recherche zusammenziehen vom WDR- Reporter in blanken Heinen bis zur Soziologie Dann sehen wir ein kristallklares

00:22:05: Bild,

00:22:05: der Druckkochtopf der DFB Elfpfeift aus allen Löchern.

00:22:09: Die Ergebnisse dieser WDR-Umfrage spiegeln keine sportliche Kritik wieder – sie sind ein Stresstest für das Einwanderungsland!

00:22:17: Definitiv.

00:22:18: Wir haben diese sixty-sechzig Prozent Akzeptanz, aber wir haben eben auch diesen harten Kern von einundzwanzig Prozent der sich nach einer homogenen Vergangenheit sehnt die es so auf dem Platz nie wieder geben wird.

00:22:31: und wir sehen Akteure die mit diesem Druck völlig unterschiedlich umgehen.

00:22:35: Der DFB flüchtet sich bei Problemen reflexartig in eine unpolitische Wagenburg Mentalität.

00:22:40: Anstatt die Realität des Rassismus als gesellschaftliche Herausforderung anzunehmen, greift man den Boden

00:22:46: an.

00:22:46: Genau!

00:22:47: Gleichzeitig stehen politische Akteure vom rechten Rand bereit, die genau diese Hilflosigkeit ausnutzen – sie machen die Mannschaft zur Zielscheibe um Identitätspolitik auf dem Rücken der Spieler auszutragen.

00:23:00: Die Analysen von Gebauer und Lehen zeigen uns dabei ganz deutlich.

00:23:03: Wir diskutieren hier nicht einfach über verärgerte Fußballfans, wir sind mitten in einem Verhandlungsprozess darüber wer wir als Gesellschaft im XXI Jahrhundert sein wollen.

00:23:13: Was mich zu einem finalen Gedanken bringt den ich dir dem Hörer heute mit auf den Weg geben möchte.

00:23:19: Wenn du das nächste Mal ein Spiel der Nationalmannschaft schaust Denk mal darüber nach.

00:23:24: wenn eine Mannschaft immer das Spiegelbild ihrer Gesellschaft ist Was bedeutet das für die Zukunft unseres Konzepts von Nation?

00:23:31: Eine sehr gute Frage.

00:23:33: Und ein gemeinsames Ziel, also exakt so wie es elf Spiele auf einem Fußballplatz vormachen.

00:23:39: Zusammenarbeiten und zu gewinnen – egal wo man herkommt!

00:23:43: Das ist die eigentliche Debatte, die hinter all den Schlagzeilen steckt... ...und die wird definitiv nicht in neunzig Minuten entschieden.

00:23:50: Denke an unser Bild vom Anfang….

00:23:52: Die weißen Viennien auf dem grünen Rasen sind klar und unmissverständlich Aber die Millionen von Menschen, die um dieses Spiel fällt herum auf den Rängen sitzen sind es eben nicht.

00:24:03: Und der Platz wird immer ein Spiegel von dem sein was auf den Regen passiert.

00:24:07: Danke dass du dir heute die Zeit genommen hast mit uns so tief in dieses Thema abzutauchen.

00:24:13: Bleib intellektuell neubierig hinter Frage.

00:24:15: die schnellen Antworten und bis zur nächsten Analyse!

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